Zusammen mit dem „Förderkreis politische Rhetorik“ zeichnet die Deutsche Rednerschule seit 1979 namhafte Politiker für ihre Rhetorik aus. Diese Tradition stammt aus dem antiken Griechenland ca. 440 vor Christus, das seine besten Redner mit dem „Goldenen Kranz“ für ihre Rhetorik auszeichnete. Eine der höchsten Ehrungen in der damaligen Zeit.
Der erste Politiker der Bundesrepublik Deutschland, der für seine Rhetorik das „Goldene Mikrofon“ für das Jahr 1979 erhält, ist Prof. Dr. Kurt Biedenkopf. Er ist in den Jahren 1973-1977 Generalsekretär der CDU und ist als logischer, kompetenter und auch angriffsstarker Rhetor bekannt. Seine präzisen Formulierungen, klare Standpunkte, kaum Versprecher und seine Art als „Querdenker“ prädestinieren ihn für diese Ehrung.
Ein Jahr später folgt ihm Dr. Otto Graf Lambsdorff, damals Bundesminister für Wirtschaft unter Helmut Kohl. Seine Rhetorik ist für treffende plakative Aussagen Aussagen bekannt und seine Sachkompetenz ist niemals in Frage zu stellen. Bekannt ist seine Replique auf einen Abgeordneten, der ihn zu einem eindeutigen „Ja“ oder „Nein“ zwingen wollte. Er entgegnete ihm mit einer Gegenfrage:“ Herr Kollege, haben Sie eigentlich aufgehört Ihre Frau zu schlagen?“
1981 wird für seine Rhetorik Dr. Rainer Barzel ausgezeichnet. Er war der jüngste Minister im Kabinett Adenauer und wird 1983 zum Präsidenten des Deutschen Bundestages gewählt. Er kann frei und trotzdem beinahe druckreif reden. Logische Argumentation und oft gezielte, beißende Ironie sind seine rhetorischen Markenzeichen.
Der Rhetor des Jahres 1983 ist der amtierende Ministerpräsident von Nordrhein Westfalen und spätere Bundespräsident Johannes Rau. Als Sohn eines Predigers in Wuppertal geboren, sind seine Reden immer mit Bibelzitaten angefüllt. Aus diesem Grunde wird er auch gerne „Bruder Johannes“ genannt. Sein Motto „versöhnen statt spalten“ führt die Menschen immer wieder zu christlichen Werten. Einer seiner liebsten Sprüche: „Man muss die Bibel lesen, damit man die Zeitung versteht“.
Für seine präzise, klare Rhetorik erhält der amtierende Bundespräsident Dr. Richard von Weizsäcker 1985 das „Goldene Mikrofon“. Rhetorisch weltweit bekannt wird er durch seine Rede vom 8. Mai 1985. Diese Rede wird gehalten zum 40jährigen Jahrestag der Beendigung des 2. Weltkrieges. Klar strukturiert, verständlich, offen, aber auch mit rhetorischen Stilmitteln ausgestattet, findet sie umfassende Akzeptanz. Drei Jahre später, am 10.11.1988 wagt sich der amtierende Bundestagspräsident, Phillip Jenninger, an ein ähnlich wichtiges Thema und hält eine Rede zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht. Seine schlechte Rhetorik zwingt ihn zum Rücktritt vom Amt des Bundestagspräsidenten.
Egon Bahr, der Architekt der Ostverträge, wird 1987 ausgezeichnet. Von seinen Parteifreunden wird er respektiert und von seinen politischen Gegnern wegen seiner dialektischen Rhetorik und klaren Logik gefürchtet. So führt er in einer Plenumsrede aus:“ Der Bundeskanzler hat diesmal das Richtige falsch gemacht. Die CSU sagt: Er hat das Falsche falsch gemacht. Das er das Richtige richtig gemacht hat, glaubt wohl nur der Kanzler, aber der sagt es nicht. Nur der Kollege Schäuble meint, er Kanzler habe gar nichts Neues gemacht, aber das sei eilig gewesen.“
1988 wird die bisher einzige Frau für ihre Rhetorik ausgezeichnet: Ingrid Mätthäus-Maier. Sie ist finanzpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Sehr selbstsicher, mit guter Gestik und einer Verbindung von Herz und Verstand bringt sie ihre Rhetorik an den Mann. bzw. an die Frau. Ihren Mitarbeiterinnen hat sie beigebracht:“ Baut Klatschsätze ein, das bringt das Publikum zum Handeln.“
Am 6.2.1990 wird Willy Brandt für seine Rhetorik mit dem „Goldenen Mikrofon“ ausgezeichnet. Von 1957-1966 Regierender Bürgermeister von Berlin, 1966-1969 Außenminister und 1969-1974 Bundeskanzler wird er 1971 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Sein Kniefall in Warschau am 7.12.1970 leitet die Entspannungspolitik zum Osten ein. In seiner Laudatio sagt Peter H. Ditko, Gründer der Deutschen Rednerschule u.a.:“ Was besagt das Wort Rhetorik? Rhetorik sind hörbar und sichtbar gemachte Gedanken und Sie, sehr geehrter Herr Brandt, sind ein denkenden Rhetor, ein idealistischer und realistischer zugleich. Der Zuhörer kann Ihren Worten gut folgen und die Kernaussagen sind klar und verständlich. Ihre Rhetorik ist aber nicht nur zu hören, Ihre Rhetorik ist auch zu sehen: Die Hände eindruckvoll die gesprochenen Gedanken unterstreichend und den Blick oft nach oben gerichtet, als wäre dort Ihr rhetorischer Mentor. Sie sind ein Meister der kongruenten Rhetorik, d.h. Übereinstimmung von Reden und Handeln.“
Was bleibt aber einem Rhetor, der körperlich nur eingeschränkt handeln kann? Hier ist Dr. Wolfgang Schäuble, ausgezeichnet 1991 für seine Rhetorik, ein einprägsames Beispiel. Obwohl er, auf Grund des auf ihn verübten Attentates, an den Rollstuhl gefesselt ist, ist der als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU Fraktion einer der besten Rhetoren im Deutschen Bundestag. Der Parlamentsumzug von Bonn nach Berlin erfolgt nicht zuletzt wegen seiner Rhetorik bei der sog. Berlin-Debatte im Deutschen Bundestag.
Für seine Rhetorik wird 1993 der erste Redner der ehemaligen DDR und spätere Präsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, geehrt. Thierse kennt die Rhetorik aus seiner Studienzeit der Germanistik. Schon in seiner Kindheit hört der kleine Thierse gerne Westradio und ist von Thomas Dehler. Fritz Erler, Carlo Schmid und Herbert Wehner fasziniert. Hier entstand sein Wunsch, die Rhetorik zu erlernen und zu praktizieren.
Rhetor des Jahres 1996 ist der amtierende Ministerpräsident und Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Oskar Lafontaine. Rhetorik lernt er als Schüler des Bischöflichen Konviktes in Prüm und als Stipendiat des Cusanuswerkes kennen. Genauso gegensätzlich wie seine politische Karriere ist auch seine Rhetorik: Manchmal versöhnlich, jovial gar väterlich und einige Augenblicke später scharf und schneidend. Im Rahmen der Natodoppelbeschluß-Debatte sagt er so zu Helmut Schmidt: „Sie sprechen weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzise gesagt: Damit kann man auch ein KZ leiten“. Für diesen Satz entschuldigt er sich später. In seiner Dankesrede anlässlich der Preisverleihung sagte er u.a.:“Schon als Schüler begeisterte mich die Figur des Demosthenes, jenes großen Redners der Antike. Und in der Schule begeisterte uns Cicero mit seiner überragenden Rhetorik.“
Joschka Fischer, amtierender Außenminister, erhält 1999 das „Goldene Mikrofon“. Fischer ist ein lebendiger Redner, der die freie Rede der Manuskriptrede vorzieht und immer auch auf die Rhetorik als Infotainment achtet. „Eine Rhetorik ohne Unterhaltungswert ist heute nicht mehr akzeptabel“ – so sein Credo. Wenn er redet, dann lebt er. Seine Mimik und seine Gestik sind absolut bühnenreif. Nicht vergessen wird ihm sein Angriff auf den Präsidenten des Deutschen Bundestages, Richard Stücklen, dem er zuruft:“ Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch“!
Der 2. „Ostler“ erhält 2000 die Auszeichnung. Dr. Gregor Gysi. Seine Rede 1989 vor 500.000 Menschen auf dem Alexanderplatz in Berlin, mit der Forderung nach einem neuen Wahlrecht machen ihn schon in der DDR als Rhetor populär. Schon als 6jähriger sammelte er Erfahrungen in der Rhetorik als Synchronsprecher in Defa-Spielfilmen. Die juristische Ausbildung und seine Tätigkeit als Anwalt förderten seine dialektischen Fähigkeiten.
Der bisher letzt ausgezeichnete Politiker ist 2007 Sigmar Gabriel, später Parteivorsitzender der SPD. Seine Kenntnisse der Rhetorik praktiziert er in seiner Rede auf der Weltklimakonferenz auf Bali am 12.12.2007. In seiner nur 6-minütigen Rede auf Englisch begeistert er das Weltpublikum zu „standing ovations“. Für einen deutschen Redner auf der Weltbühne eher ein seltenes Ereignis.
Mehr über die besten Redner der Antike und der Bundesrepublik Deutschland nachzulesen im Buch „Redner für die Freiheit- Demosthenes, Brandt, v. Weizsäcker & Co“ ISBN 9783837081916.
Weiteres zum Thema Rhetorik:
Rhetorik, Demokratie und Freiheit
Rhetorik & Persönlichkeit
Rhetorik des Jahres 2009
www.Deutsche-Rednerschule.de
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