Um die Wichtigkeit der Rhetorik für die freiheitliche Demokratie einordnen zu können, ist es sinnvoll, den Weg der Rhetorik, beginnend von der Rhetorik der Antike, über die Rhetorik Roms, die Rhetorik der französischen Revolution und der angelsächsischen „Declaration of Rights“, über die Rhetorik der Vereinigten Staaten von Amerika bis hin zur aktuellen, politischen Rhetorik der Bundesrepublik Deutschland, in den wichtigsten Punkten zu beleuchten.
Athen:
Ausgangspunkt ist die Rhetorik im antiken Griechenland um die 400 Jahre vor Christus. Hier liegen die Wurzeln auch unserer heutigen Rhetorik. Ein Meister der griechischen Rhetorik war Demosthenes, der in der Zeit von 384 – 322 v.Chr. in Athen lebte. Er ist auch heute noch ein Paradebeispiel dafür, dass Rhetorik nicht angeboren sondern angelernt ist. Bekannt als erfolgreicher Redenschreiber zieht es ihn als junger Mensch in die Politik. Aber seine Rhetorik reicht nicht aus, um beim Volk Gehör zu finden. Und so wird berichtet, wie er sich selber einer harten rhetorischen Ausbildung unterzieht: Er legt sich Kieselsteine in den Mundraum, um eine bessere Artikulation zu erlangen, legt sich schwere Bücher auf den Bauch, um eine bessere Zwerchfellatmung zu erlernen, redet gegen die Brandung des Meeres an und stellt sich unter ein Schwert, um sein nervöses Achselzucken zu vermeiden. Mit 30 Jahren hat er es dann geschafft: Er gilt als Meister der Rhetorik. Bekannt sind noch heute seine vier „Philippischen Reden“, die auch später den Rhetor Cicero noch begeistert haben. König Phillip, gegen den diese Reden gerichtet sind, soll später gesagt haben:“ Ich glaube, wenn ich diese Reden mit angehört hätte, hätte ich selber gegen mich gestimmt“ – so stark war die Rhetorik des Demosthenes. Als Anerkennung seiner Verdienste um die Politik und die Rhetorik wird ihm 340 v.Chr. auf großer Bühne der „Goldene Ehrenkranz“ verliehen. Der wohl bekannteste englische Philosoph David Hume sagt später:“ Unter allen menschlichen Geisteswerken nähert sich die Rhetorik von Demosthenes dem Ideal der Vollkommenheit am nächsten“. Allerdings verliert Demosthenes mehr und mehr den Kampf gegen den neuen Herrscher in Makedonien, Alexander den Großen, was dann auch dazu führt, dass er, in die Flucht getrieben, sich mittels Gift das Leben nimmt. Mit Demosthenes stirbt auch die erste freiheitliche Demokratie.
Rom:
Demosthenes ist tot, aber die Rhetorik lebt weiter. Überall wird die griechische Sprache gesprochen und hat einen tiefgreifenden Einfluß auf die folgende Rhetorik Roms. Hier widmet sich der junge Cicero schon als junger Mann der Rhetorik und besucht diverse Rednerschulen, sowohl die attische als auch die asiatischen Schulen. Noch auf der Höhe seines Lebens besucht er die berühmte Rednerschule des Rhetors Gnipho. Im Jahre 64 v.Chr. wird er sogar Konsul und verfertigt Werke über die Rhetorik, die noch heute ihre große Bedeutung haben, so wie „De Oratore“, „De res publica“ und „De legibus“. Am 15. März wird Cäsar mit 23 Dolchstichen ermordet und Cicero verteidigt die Mörder. Das ist dann allerdings auch sein Todesurteil. Er wird am 7. Dezember 43 v.Chr. ermordet.
Paris:
Und erst Jahrhunderte später findet die Rhetorik wieder ihren Stellenwert und zwar in der französischen Revolution. Bekannt ist der Ausspruch von Graf Mirabeau: “Die Schönredner sprechen für die vierundzwanzig Stunden, die gerade ablaufen; echte Staatsmänner aber sprechen für die Zukunft“. Bereits 1759 wird wohl der bekannteste Rhetor geboren, George Jacques Danton. Beinahe zur selben Zeit tritt der Rhetor Maximilian Robespierre und sein Freund St. Just auf die rhetorische Bühne. Noch heute hat die Deutsche Rednerschule die Rede „St. Just vor dem Nationalkonvent“- ein Meisterstück der Rhetorik, im Lehrplan.
Washington:
Von Athen, über Roms und Paris und die angelsächsische „Declaration of Rights“ wandert die Rhetorik mit den „Pilgervätern“ weiter in die USA. Dort hatte sich mittlerweile die Sklaverei im Süden des Kontinents breit gemacht. Der Führer im Kampf gegen sie ist Abraham Lincoln (1809-1865). Bekannt wird er als Rhetor besonders durch seine „Baumstumpfreden“. Später feuert er durch seine Rhetorik immer wieder seine Soldaten an und wird Präsident der Vereinigten Staaten. Aber das Sklavenproblem des Südens ist nicht gelöst und so hält viele Jahre später ein schwarzer Prediger und Bürgerrechtler am 28. August 1663 vor dem Lincoln Memorial vor über 250.000 Zuhörern eine Rede, die als rhetorisches Meisterwerk unter der Überschrift „I have a dream“ bekannt werden soll. 45 Jahre später wird der erste Afroamerikaner zum Präsidenten gewählt, Barack Obama. Ein brillanter Rhetor, dem über 200.000 Menschen seiner Rede am 24.07.2008 in Berlin zujubeln.
Bonn/Berlin:
Die Rhetoren der „ersten Stunde“ haben bereits in den 29 Jahren nach Ausrufung des Grundgesetzes beachtliches auf dem Gebiete der Rhetorik geleistet: Konrad Adenauer, mit seinem rheinischen Dialekt, Kurt Schumacher, bereits im 1. Weltkrieg einen Arm verloren, in der nationalsozialistischen Zeit im KZ und nach dem Krieg noch das linke Bein amputiert, kennt die Leiden der Deutschen und bekämpft strikt die Westpolitik Adenauers. Unvergessen die Rede von Ernst Reuter in Berlin am 9.9.1948 „Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“. Oder der in Perpignan geborene Carlo Schmid, den man auch den „Demosthenes der sieben Berge“ gerne nennt. Sein Ausspruch: “Als ich jung war, glaubte ich, Politiker müssen intelligent sein. Jetzt weiß ich, dass Intelligenz wenigstens nicht schadet“. Oder Kurt Georg Kiesinger, genannt „Meister Silberzunge“. Er hält zündende Reden im Deutschen Parlament, immer wieder gekontert von Fritz Erler. Später dann Willy Brandt, den sein Kniefall in Warschau weltbekannt machte und der 1971 den Friedensnobelpreis erhält. Nicht zu vergessen Herbert Wehner, den man gerne den „Zuchtmeister“ nennt und natürlich die beiden Rhetores Helmut Schmidt und Franz-Josef Strauss. Letztere liefern sich im Rahmen des Nato-Doppelbeschlusses harte Auseinandersetzungen sowohl im Plenum des Deutschen Bundestages als auch in den immer wichtiger werdenden Medien. In dieser Zeit, genauer im Jahre 1978, gründet Peter H. Ditko, Leiter der Deutschen Rednerschule, den Förderkreis politische Rhetorik in der Bundesrepublik Deutschland, dem die führenden Politiker der Republik angehören werden. Er nimmt mit der Verleihung des „Goldenen Mikrofons“ für hervorragende Rhetorik die antike Tradition des „Goldenen Kranzes“ wieder auf. So werden in den kommenden Jahren u.a. ausgezeichnet: Dr. Kurt Biedenkopf, Dr. Otto Graf Lambsdorff, Johannes Rau, Dr. Richard von Weizsäcker, Egon Bahr, Ingrid Matthäus Maier, Willy Brandt, Dr. Wolfgang Schäuble, Wolfgang Thierse, Oskar Lafontaine, Joschka Fischer, Dr. Gregor Gysi, Sigmar Gabriel. 1999 feiert der Förderkreis sein 30jähriges Bestehen und damit begleitet er auch weiterhin, zusammen mit der Deutschen Rednerschule, die Deutsche Rhetorik, ein Garant für Demokratie und Freiheit unseres Staates.
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Rhetorik & Persönlichkeit
Rhetorik des Jahres 2009
Rhetorik in der Bundesrepublik Deutschland
www.Deutsche-Rednerschule.de
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